|
Erneuerung der Kapelle
„Wie kann ich mein Leben von Anfang an verstehen – gibt es
einen roten Faden durch all meine Lebensstufen – was macht die
feste Mitte meines Lebens sowie der ganzen Weltgeschichte aus –
kann ich im Leben und über den Tod hinaus mit einer liebevollen,
tragenden Hand rechnen?“
Von
diesen Grundfragen her meditierte und konzipierte der Rektor des
Hauses, Pater Alfred Gruber SAC, ab dem Jahr 2000 den Plan. Die weitere
Holzausstattung besorgte der Neffe von P.A. Gruber, Herbert Gruber aus
Tamsweg im Lungau. Für die Schnitzarbeiten im Apsisbereich konnte
Prof. Bernhard Prähauser gewonnen werden (geb. 1921 in Hallein;
Adlhart – Wotruba-Schüler; lange im Lungau tätig) und
Schritt für Schritt erfolgte die gesamte Umgestaltung bis 2005.
Um einen Dreischritt soll es gehen:
- Wir dürfen aus einer beflügelnden, tragenden Botschaft leben
- Diese gute Nachricht wird gefeiert und vergegenwärtigt (Altar in der Mitte)
- Daraus ergibt sich die Dynamik der Sendung für jeden Menschen (Luster beim Ausgang).
Zu
1: Prof. Prähauser brachte die Idee des Phönix aus der Asche
als Zeichen für Christus, den Auferstandenen ein. Die
Überlieferung ist bei allen alten Kulturvölkern bekannt, dass
sich der Phönix ein Nest aus Heilkräutern zusammenträgt
– er setzt sich hinein, zündet es an und kommt darin
nicht um, sondern nach drei Tagen ersteht er viel kräftiger und
schöner als er vorher gewesen ist!
Wir denken an Jona, drei Tage
im Fisch, Lazarus, drei Tage im Grab; die Vor-Bilder für Christus
selbst: Unglaublich Neues bricht auf!
Die Kreisscheibe im
Hintergrund ist Sinnbild für das Ewig-Unendliche, während das
Quadrat die menschliche Ebene darstellt, deren Mitte und Halt aus dem
Ewigen erwächst. Im Geviert des menschlichen Lebens sind die
Öffnungen der Geburt, des Grabes und der Auferweckung sichtbar,
miteinander verbunden durch den roten Lebensfaden: Auch wenn nach allem
Auf und Ab des Lebensweges dieser Leitfaden im Grab entschwindet
– er wird in der Auferweckung zur Mitte, zur Ewigkeit
geführt.
Im Schattenriss sind auf der
weißen Wand drei Hände erkennbar: Links unten die
Schaffende, die den Menschen auf seine Lebensbahn sendet; die
Erwartende nach dem Abstieg in das Grab und die Neubelebende im Rund
der Auferweckung. Der Glaube führt vom Schattenhaften, dem
Vordergründig-Sichtbaren nicht hinter das Licht, sondern in die
Fülle des Lichtes und bleibenden Lebens. So kann der Phönix
als Zeichen der beständigen Neuschöpfung, als
beflügelnder Motor für alle Zeiten, als Dynamik des Hl.
Geistes betrachtet werden.
Zu 2: Wer sich dieser
christlichen und schon urmenschlichen Botschaft öffnet,
möchte sie – im zweiten Schritt – gerne in Erinnerung
rufen, feiern und vergegenwärtigen: Dies geschieht auf dem Tisch
des Altares: Er fußt auch auf einem Quadrat, also unserem
irdischen Lebensgeviert der Jahreszeiten und Windrichtungen, aber das
Achteck der Altarplatte versinnbildlicht in der Architektur den Himmel
und die Kreisscheibe darauf wieder das Ewig-Unendliche. Was hier
gefeiert wird, kann also schon jetzt Himmel und Erde verbinden und
Gleichgesinnte zu einem intensiven Kreis zusammenschließen.
Zu
3: Vom Hintergrund und der Feier einer festen Lebensmitte und zugleich
dynamischer Entfaltung und von der Zusage, im bleibenden Licht ganz neu
gestaltet zu werden, daraus ergibt sich (mit dem Blick auf den Luster
bei der Tür) die Sendung für jeden von uns: Die sieben
Flammen und Gaben des Hl. Geistes oder die sieben Sakramente, sie
wollen uns an den sieben Tagen der Woche stärken und
beflügeln und den weiten Horizont großer Zukunft im Alpha
und Omega erschließen. Diese unerhört klingende Botschaft
setzt Kräfte frei, vermittelt tiefe Geborgenheit und scheut sich
auch nicht, anderen davon mit-zu-teilen.
Zusammenfassend lässt
sich sagen, dass hier die Ursehnsucht der Menschen und die umfassende
Botschaft von der Schöpfung über die Auferstehung bis zur
Vollendung in einer Darstellung und in einem Raum vereint sind und sich
dadurch in einfach-anschaulicher Weise die persönliche
Lebensdeutung daran messen und bestärken lässt.
Gerne wird jetzt die Kapelle
wieder bei Gottesdiensten, Taufen, Hochzeiten, Meditationen etc.
angenommen und auch Gäste des Hauses lassen sich die Botschaft in
Erinnerung rufen, dass sich der Mensch wie ein Phönix aus der
Asche jeden Tag in eine große Zukunft neu erheben darf.
P.A.G. SAC
|